Schottland: Mit dem Rucksack von Edinburgh nach Glasgow oder auch: das Land mit Bus-Geld Problemen, ohne BĂŒrgersteige und dem Wasser des Lebens

Nebel und Regen. Das waren meine ersten Gedanken, als ich das Wort „Schottland“ im FrĂŒhling gehört habe. Unsere Urlaubsplanung war ein stĂ€ndiges Verwerfen von Ideen und ich hatte langsam aber sicher die Hoffnung aufgegeben, ĂŒberhaupt im Sommer noch ein anderes Land zu sehen.

Schottland war zwar nicht meine erste, im nachhinein aber meine beste Wahl!

Um das Land besser kennen zu lernen und um mir, die Edinburgh ja schon kannte (in Schottland bin ich tatsĂ€chlich 2015 schon einmal gewesen, damals als Abschlussfahrt mit der Schule. Damals waren wir fĂŒr eine Woche in Edinburgh und haben einige Stadtrundfahrten und MuseumsausflĂŒge gemacht), das ganze ein wenig abwechslungsreicher zu gestalten, haben wir beschlossen mit dem Rucksack von Edinburgh nach Glasgow zu wandern. Da wir beide vorher noch nie auf diese Art verreist sind, meldeten sich Aufregung und Vorfreude schnell zu einem innerlichen Duell an. Ich kann jedem nur raten: lasst es einfach auf euch zukommen! Fehler lassen sich sowieso nicht vermeiden und beim zweiten Mal kann man es immer noch besser machen. Denn soviel sei jetzt schon gesagt: Backpacking werden wir auf jeden Fall noch einmal machen (ganz unten findet ihr eine kleine Tipps und Tricks Liste, die euch vielleicht auch weiter hilft)!

Aber nun ein wenig vor (oder von jetzt aus gesehen zurĂŒck) gespult, zum Flughafen DĂŒsseldorf, von wo aus wir unser ganz persönliches 12-tĂ€giges Abenteuer gestartet haben. Denn schon dort hatten wir unseren ersten Faux-Pas: Mein Freund hatte die Batterien in seiner Taschenlampe gelassen und da diese natĂŒrlich ganz unten im Rucksack lag, musste er vor dem Abflug schon einmal alles aus und wieder einpacken. Endlich im Flugzeug war die Aufregung dann doch plötzlich sehr prĂ€sent. Da wir nur die ersten und letzten NĂ€chte eine Unterkunft gebucht hatten, machte sich bei mir auch ein GefĂŒhl der Unsicherheit breit: War dies wirklich die richtige Entscheidung gewesen? Nun war daran aber nichts mehr zu Ă€ndern und so versuchte ich mich mit Lesen (natĂŒrlich auf dem Ebook Reader, BĂŒcher wĂ€ren definitiv zu schwer gewesen) etwas zu entspannen.

In Edinburgh gelandet kam uns schon das erste RĂ€tsel entgegen: Wie kauft man Tickets fĂŒr den Zug in die Stadt? Die Antwort eigentlich ganz einfach: Mit einer VISA Karte (oder Vergleichbarem), die tatsĂ€chliche Anwendung dann doch etwas komplizierter als gedacht. Endlich in Edinburgh Stadt angekommen folgte natĂŒrlich gleich der nĂ€chste Schlamassel: Busfahren. Ob ihrs glaubt oder nicht, aber einen Bus in Deutschland zu bezahlen ist echter Luxus. In Schottland muss man nĂ€mlich PASSEND zahlen, und wer gerade nicht das nötige Kleingeld (wie wir) besitzt, fĂ€hrt entweder nicht mit oder findet (zum GlĂŒck auch wir) eine nette schottische Person, die einem die von der deutschen Bank ausgehĂ€ndigten Scheine in Kleingeld umtauscht. In der Hinsicht DANKE an all die netten Menschen da draußen! Bei unseren Gastgebern angekommen (ich kann euch Airbnb nur empfehlen!) hatten wir sogar den Luxus, ein Zimmer mit Blick aufs Meer beziehen zu können: mein erstes Fotomotiv hatte ich schonmal gefunden.

Als wir am nĂ€chsten Morgen nach Edinburgh in die Stadt gefahren sind, erwartete uns die nĂ€chste (positive) Überraschung: wir befanden uns plötzlich inmitten des grĂ¶ĂŸten Kulturfestivals weltweit, dem „fringe“. Überall um uns herum zeigten StraßenkĂŒnstler ihr Können und ĂŒberall luden Studenten zu verschiedensten TheatervorfĂŒhrungen ein. Es herrschte eine Stimmung, die man mit Worten ĂŒberhaupt nicht beschreiben kann sondern einfach mal erlebt haben muss! Genauso empfehlenswert und auch super zum fotografieren geeignet sind zum Beispiel das „National Museum“, die „Art Gallery“ und vor allem auch das „Edinburgh Castle“. FĂŒr ein SĂŒppchen oder auch ein Bierchen zwischendurch kann man außerdem sehr gut in den vielen kleinen Bars haltmachen, in denen man auch oftmals viele nette Einheimische treffen wird, die einem auch viele gute Tipps rund um die Stadt und das Land geben können. Unser ganz spezielles Highlight in Edinburgh war aber definitiv die „Whisky Tour“, bei der wir erst mit einer kleinen Gondel durch ein liebevoll errichtetes Museum gefahren worden sind und anschließend noch ein „Whisky Tasting“ mit 4 verschiedenen Whiskysorten mitmachen durften.

Nach ein paar wunderschönen Tagen in Schottlands Hauptstadt machten wir uns mit Sack und Pack auf den Weg nach Glasgow. Es war ein einmaliges Erlebnis, ein Land zu Fuß zu erkunden aber manchmal wortwörtlich auch ermĂŒdend! Wir (unerfahren und naiv) hatten natĂŒrlich viel zu viel GepĂ€ck auf unserem RĂŒcken und nachdem wir 15km bis zum ersten Zeltplatz gelaufen waren, waren wir schon fast zu erschöpft um unser Zelt aufzubauen. A pro pros Zelt: baut niemals ein Zelt bei 40 Grad zur Probe auf! Bei Regen und KĂ€lte bringt eine ZeltlĂŒftung oben leider nicht mehr als NĂ€sse! Aber wenn man mit SchnĂŒrsenkeln einen Regenmantel drĂŒber spannt lĂ€sst sich dann doch die Nacht damit durchhalten. Und: es ergibt viele lustige Fotos! Die nĂ€chsten NĂ€chte wurden Dank Airbnb dann etwas trockener (Danke an die liebenswĂŒrdige, italienische Großmutter, bei der wir uns wie zu Hause fĂŒhlen durften!).

In Glasgow angekommen erwartete uns die nĂ€chste tolle Überraschung: wir waren pĂŒnktlich zur Dudelsack Weltmeisterschaft dort angekommen und an jeder Straßenecke wurde man mit wunderschönen Melodien versorgt. Besonders tolle Orte, die wir besucht haben (sowohl kulturell als auch zum fotografieren) sind die Necropolis (dort wurden auch Teile von Harry Potter gedreht), die Drygate Brauerei (fĂŒr alle die Burger lieben ein absolutes MUSS!) und all die wunderschönen Kirchen und Museen, die auch nirgends Eintritt verlangen.

Unserer Reise haben wir schließlich mit einer Hightlandtour einen tollen letzten Tag beschert. Mit einem Kakao am Loch Lomond und einem Spaziergang um die Burg „Winterfell“ (bekannt aus Game of Thrones) dachten wir schon es könnte nicht noch besser werden. Doch unser letzter halt, „Stirling Castle“, hat einfach alle unsere EindrĂŒcke getoppt: eine unfassbar schöne Burg, mit einer atemberaubenden, weiten Sicht und tausenden von blĂŒhenden Blumen. Hier hĂ€tten wir wirklich Tage verbringen können, mit drei Speicherkarten und man hĂ€tte immer noch Motive zum fotografieren gehabt! Wer also mal nach Schottland fĂ€hrt: besucht unbedingt Stirling und vor allem Stirling Castle!

Schlussendlich könnte ich noch viele weitere Zeilen mit SchwĂ€rmereien und ErzĂ€hlungen ĂŒber dieses wundervolle Land fĂŒllen, also wer eine Reise dorthin plant, kann sich gerne einmal mit mir austauschen. Hinfahren werden wir in jedem Fall noch einige Male in der Zukunft!

Tipps und Tricks:

  • macht den Rucksack bloß nicht zu voll! 10kg höchstens, sonst macht ihr schon nach den ersten Kilometern schlapp
  • habt immer genug Wasser dabei, nicht ĂŒberall lĂ€sst sich das Wasser aus dem Bach trinken
  • habt immer Klopapier dabei (kein Witz!), Toiletten sind manchmal seltener als man denkt
  • lest euch die Bestimmungen zum Wildcampen des jeweiligen Landes vorher genau durch
  • Adapter und Powerbank können manchmal Handys retten → Google Maps ist immer hilfreich
  • BEQUEME Wanderschuhe und Blasenpflaster
  • vorher Geld in die entsprechende WĂ€hrung tauschen
  • legt vorher einen ungefĂ€hren Weg fest, den ihr gehen wollt aber hört vor Ort auch auf die Tipps von Einheimischen
  • Achtung: in vielen Teilen Schottlands gibt es KEINE BĂŒrgersteige, also schaut euch vorher nach Alternativen um, wenn ihr zu Fuß unterwegs seid und eine Autobahn ĂŒberqueren mĂŒsst!
  • Indische Restaurants sind in Deutschland scharf, in Schottland unbeschreiblich scharf
  • bucht fĂŒr den ersten und letzten Tag vorher schon eine Unterkunft, um An- und Abreisestress zu vermeiden
  • plant nicht zu viel, im Endeffekt kommt eh alles anders als geplant 😉

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2 Kommentare

  1. Ich freue mich total ĂŒber dein Artikel. Seitdem ich auf Instagram gesehen habe, dass du in Schottland warst, habe ich darauf gewartet, dass du darĂŒber berichtest. Ich möchte auch irgendwann nach Schottland. Sowohl dein Artikel als die Bilder machen Lust, dort Urlaub zu machen 🙂

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