Tag 3, 16.08.2019: Keflavík und Þingvellir

Strahlende Sonne sei eine Seltenheit in Island, wurde mir gesagt: ich glaube, dann bin ich tatsächlich zur perfekten Zeit in dieses wundervolle Land gereist, denn auch an diesem Tag hat die Sonne vom Himmel gelacht und alle Wolken verjagt.

Mein Tag startet mit dem geplanten Interview mit þ.D.H. an der Uni in Reykjavík. Sie erzählt mir eine Menge über die populäre Musikszene der Stadt und wie sich diese auch heute noch erfolgreich gegen die neu aufkommenden Genres wehrt.

Anschließend fahre ich nach Keflavík ins Rock ’n‘ Roll Museum. Da ich natürlich viel zu früh dort bin, bummel ich noch ein wenig durch die umliegenden Straßen, versuche ans Meer zu kommen (hab den Weg leider nicht gefunden dafür, aber eine Art Fabrik), und entdecke eine Kirche, von der ich erst dachte, dass sie keinen Eingang hätte.

Im Museum bin ich die wohl erste, aber euch einzige Person. So kann ich ganz in Ruhe alle Tafeln lesen und – was ich wirklich toll an Island finde – alles fotografieren. Das Rock ’n‘ Roll Museum erzählt übrigens die Geschichte der populären Musik in Island seit dem Ende des 19ten Jahrhunderts. Hier finden sich bekannte Persönlichkeiten wie Björk und Emiliána Torrini und Bands wie Sigur Rós, Led Zeppelin und Of Monsters and Men wieder. Besonders haben mir die Mitmachstationen (selbst singen, Instrumente spielen) und die Ausstellungsstücke (Instrumente, Kleidung) gefallen. Weiterhin bietet das Museum im oberen Stockwerk eine Ausstellung von wechselnden Privatsammlungen an, welche oft auf eine spezielle Persönlichkeit beschränkt sind. Wer also ein wenig musikalisches Interesse hat, dem kann ich dieses Museum nur wärmstens ans Herz legen!

Nachdem ich zurück in Reykjavík bin, treffe ich mich spontan mit B.S. in der Nationalbibliothek. Er war einer der Gründer des nicht mehr existenten Rock-Museums und erzählt mir viel über die Musik in Island zur Zeit der amerikanischen Besatzung und der daraus entstandenen Air Base, welche den Mittelpunkt des musikalischen Geschehens um Reykjavík darstellte. Anschließend treffe ich den Komponisten G.O., welcher mich in die musikalischen Traditionen Islands mitnimmt und mir die Geschichte der rímur Gesänge erzählt.

Nachdem ich nun alle Interviews geführt habe und über 3 Stunden Material aufgezeichnet habe, ist es an der Zeit, ein wenig den Urlaub zu genießen. Deshalb mache ich mich spät am Nachmittag auf den Weg zum Þingvellir Nationalpark (ich habe übrigens gelernt, dass das isländische þ wie das englische th ausgesprochen wird). Der Weg dorthin führt mich durch eine wunderschöne Landschaft und ich realisiere das erste Mal, dass ich mich nun wirklich in Island befinde. Als ich am Nationalpark ankomme, stehen hier noch viele Autos, doch die Masse der Touris ist bereits in Aufbruchstimmung. So bin ich fast die Einzige, die sich auf den Weg durch den Park macht. Dass ich eventuell etwas kaputt nach dem langen Tag bin, bemerke ich recht schnell: ich habe glatt 30 Minuten lang die Kontinentalspalte (den Teil der unter Wasser liegt und bei dem man schnorcheln kann) gesucht bevor ich gepeilt habe, dass ich die ganze Zeit zwischen den beiden Kontinentalplatten her laufe. Guten Morgen… Nachdem ich den Fehler bemerkt habe (und mir eventuell etwas dumm vorkommen), wander ich zu der kleinen þingvallakirkja, zum Öxarárfoss und zum Langistígur. Hier wurde übrigens auch Game of Thrones gedreht, allerdings war das nicht der Grund, aus dem ich hergekommen bin. Alleine und nur von den Geräuschen der Natur umgeben, genieße ich meinen Spaziergang von über 4 Stunden sehr. Hier lässt es sich durchatmen, der Kopf ist plötzlich frei und die Natur so beeindruckend wie selten zuvor. Hier fühle ich mich wohl. Hier möchte ich bleiben.

Leider geht das natürlich nicht und so mache ich mich spät abends wieder auf den Weg zurück in meine Unterkunft. Zum Glück sind die Tage im Sommer hier so lang!

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