Wie ich ein Land geliebt habe, das mir gänzlich unbekannt war – und immer noch liebe.

Wer kennt sie nicht, die Liebe. Dieses wundervolle Kribbeln im Bauch, die steigende Aufregung und der Moment, in dem man das Gefühl hat, einfach wunschlos glücklich zu sein. Oh Island, seitdem ich denken kann, bin ich in dich verliebt.

Aber beginnen wir erstmal am Anfang. Nein, halt, Stop. Geht nicht. Denn bei dieser Liebesgeschichte gibt es keinen Anfang. Zumindest keinen, an den ich mich erinnern kann. Denn sie war schon immer da diese Liebe. Das Gefühl der Verbundenheit zu einem Land, dass ich noch nie gesehen hatte. Ich weiß nicht, ob ich mal ein Bild gesehen habe, einen Film oder eine Geschichte erzählt bekam. Ich weiß nicht, ob mal jemand etwas Faszinierendes über dieses Land gesagt hat oder in welcher Hinsicht ich darüber gestolpert bin. Ich kann es einfach nicht sagen. Denn ich weiß nicht wie es ist, Island nicht zu lieben.

Schon als Kind habe ich alles gesammelt, was mit Island zu tun hat: Sticker, Stifte, Bücher, Ordner, Pferde (keine echten natürlich), Taschen und was weiß ich was noch alles. Ich habe jede Islanddokumentation auf unserem alten Röhrenfernseher geschaut, auf dem man den kleinen Punkten noch beim krisseln zusehen konnte. Ich habe mich Tag und Nacht nach Island geträumt und mein größter Wunsch war es, dieses Land einmal zu besuchen.

Als ich älter wurde, änderten sich auch meine Geburtstagsgeschenke: ich bekam viele Bücher über Island, von Reiseführern bis hin zu Krimis war alles dabei. Ich kuschelte mich abends in mein Bett und träumte mich fort nach Island. Es war mein größter Wunsch. Auch als ich das Reisen ohne die Familie entdeckte. Doch Island ist teuer. Und ein Flug dorthin erst recht. Und niemand aus meinem Umfeld hatte auch nur annähern Lust, diesen so weit entfernten Ort mit mir zu erkunden. Deshalb schob ich den Gedanken „Island“ erstmal in eine andere Ecke.

Die nächsten Jahre war dann tatsächlich der Süden Europas mein vorrangiges Reiseziel: Griechenland und Italien führen diese Liste mit Abstand an, gefolgt von Frankreich und Spanien. Auch die Niederlande im Sommer und Österreich im Winter waren fast jährlich auf meiner Reiseliste zu finden. Nach einer Weile rutschte der Fokus dann aber doch wieder etwas nördlicher: Dänemark, Irland, England und Schottland wurden teilweise mehr als nur einmal bereist und hier habe ich auch das erste Mal Backpacking ausprobiert.

Auch während meines Studiums blitzte immer wieder die Idee „Island“ auf. Doch zur alleinigen Umsetzung fehlte mir einfach der Mut. Auch wenn man sagt, dass Liebe Berge versetzen kann: einen Goldesel und die Angst vor Einsamkeit kann sie leider nicht vollständig wegzaubern. Als es schließlich Zeit war, an das Thema Bachelorarbeit mal den ein oder anderen Gedanken zu verschwenden, kam mir die nordische Musik wieder in den Kopf. (Ich habe im Zwei-Fach-Bachelor Musikwissenschaft und Kultur- und Sozialanthropologie studiert) Im Examenskolloquium stellte ich verschiedene Aspekte der Bearbeitung und des Vergleichens nordischer Musik vor, mit dem Schwerpunkt Skandinavien. Nach besagter Sitzung kam mein Professor auf mich zu mit der Frage, ob ich auch Lust auf eine ethnologische Feldforschung in Island hätte: ohne zu Zögern sagte ich ja.

Und plötzlich begann der Traum, den ich mehr als 20 Jahre geträumt hatte, Realität zu werden. Zuerst kam die Freude, dann die Angst, dass ich von dem Land enttäuscht sein könnte, dann die Überforderung von all meinen Gefühlen und Emotionen. Als ich schließlich ein Jahr später im Flieger saß und wir über die Startbahn rollten, kam mir mein Leben plötzlich total unwirklich vor. Ich war alleine, mein Kopf ein Chaos an Gedanken und zum ersten Mal konnte ich mich nicht auf mein Bauchgefühl verlassen.

Der erste Abend in Island war extrem Surreal. Ein Gefühlschaos wie ich es selten erlebt habe. Das Gefühl zu träumen. Und niemanden, mit dem ich darüber sprechen konnte. Aber die nächsten acht Tage waren die wohl besten die ich hätte haben können: mit jedem neuen Winkel, den ich entdeckte und mit jeden Fleck Natur, dan ich kennen lernen durfte, habe ich mich noch ein Stück mehr in dieses faszinierende Land verliebt. Ich habe am schwarzen Strand gestanden und mich nie so frei gefühlt wie dort. Ich bin auf Berge geklettert und in Lavahöhlen. Habe mich von der Natur, den Menschen und der Musik dort einnehmen lassen. Und wäre am Ende am liebsten für immer geblieben.

Island ich komme wieder! Wann, das weiß ich nicht. Aber ich werde! Zu keinem anderen Land spüre ich so eine tiefe Verbundenheit, kein Land weckt in mir so viele Gefühle und Emotionen wie Island. Hier habe ich mein Herz verloren. Und würde es jedes Mal wieder dort lassen. Denn diese Insel, mit all ihren Geschichten und Geheimnissen, mit Trollen und Feen, mit Feuer und Eis, mit rauem Vulkangestein und grünen Moosen, mit Sturm und Regen, Sonne und Schnee, ja diese Insel ist absolut einmalig. Einzigartig. Faszinierend. Wundervoll. Spannend. Einnehmend. Zum Verlieben!

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